Vom Schaf zum Garn

Die Wollverarbeitung

Vom Schaf bis zum fertigen Gewand ist es ein langer Weg - und für die Wikinger war er noch viel länger! Hier werden nun die einzelnen Schritte der Wollverarbeitung vorgestellt.

Das Scheren

Zuerst muss dem Schaf seine Wolle abgenommen werden. Auch heute noch ist das harte Arbeit, aber vermutlich ein Spaziergang im Vergleich zu den Tagen, als elektrische Schermaschinen noch nicht erfunden waren - denn in der Regel sind Schafe nicht besonders sanftmütig während dieses Vorgangs.

Das Zupfen

Was man nun hat, ist die Rohwolle. Neben Wolle sind in ihr enthalten: Dreck jeder Art, Stroh/Gras/Heu, Kot, Schweiß, Wollfett (Lanolin). Je nach Schaf und dessen Haltung variiert das Mengenverhältnis, aber verarbeitet werden kann sie in diesem Zustand normalerweise nicht.
Es folgt nun also das Zupfen. Dabei - Überraschung! - zupft man die Wolllocken auseinander, wobei große Knoten, Dreckklumpen etc. aussortiert werden und einiges an feinerem Schmutz ausfällt, wenn die Fasern auseinandergezogen werden. Durch Schweiß verklebte Spitzen werden getrennt. Wenn man beim Zupfen sehr gründlich ist und darauf achtet, die Fasern in die gleiche Richtung zu legen, kann man das Ergebnis theoretisch schon verspinnen. Das ist jedoch sehr mühsam und das Ergebnis nicht ideal.

Das Waschen

Zum Waschen wird die vom groben Schmutz befreite Wolle in Wasser eingeweicht, warm oder kalt. Dort bleibt sie eine Weile drin (z.B. über Nacht) und wird dabei nicht bewegt! Jede Bewegung oder plötzliche Temperaturwechsel kann dazu führen, dass die Wolle verfilzt - was sie komplett unbrauchbar macht. Danach wird die Wolle vorsichtig gespült und je nachdem, wie sauber sie schon ist, noch einmal eingeweicht oder getrocknet.
Wenn das Wasser nciht zu heiß war, ist noch jede Menge Lanolin in der Wolle enthalten, was beim Spinnen hilft, die Wolle 'flutscht' nur so durch die Finger! Außerdem ist es sehr gut für trockene Haut.

Das Kämmen

Wenn die Wolle durchgetrocknet ist, kann sie gekämmt werden. Dabei werden die kurzen Fasern aussortiert und die langen Fasern gleichgerichtet. Das Ergebnis, der Kammzug, ist sehr gut zu spinnen und gibt schönes, weiches und stabiles Garn, so genanntes Kammgarn.

Das Kardieren

Die kurzen Fasern, die beim Kämmen aussortiert wurden, können kardiert werden, um sie gleichzurichten und Knoten auszusortieren. Das kann auch mit der kompletten Wolle gemacht werden, ohne sie zu kämmen. Das Ergebnis heißt in jedem Fall Kardenband.
Wir haben noch keine Karden (die Werkzeuge, die man zum Kardieren braucht). Deswegen können wir das Kardieren leider nicht vorführen.

Das Spinnen

Schließlich kann der Kammzug oder das Kardenband zu Garn versponnen werden. Die Wikinger hatten noch kein Spinnrad, dessen erste Typen erst im 13. Jahrhundert Verbreitung fanden. Sie spannen all ihr Garn also mit der Handspindel.
Je nach Gewicht der Spindel können Garne verschiedener Stärke gesponnen werden. Auch das verzwirnen mehrerer Fäden zu einem stabileren Garn geschieht mit der Handspindel.